05b - Es kommt ein Schiff geladen

In dieser Zeit lebte in Straßburg der Dominikanermönch Johannes Tauler. Auch er geriet in die Wirren der Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst. Aber er war ein Mann von tiefer Herzensfrömmigkeit und Hingabe. Er schrieb das Weihnachtslied:

Es kommt ein Schiff geladen bis an den höchsten Bord.
Trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe, trägt eine teure Last;
Das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

Der Anker haft' auf Erden. Da ist das Schiff am Land.
Das Wort soll Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein,
Gibt sich für uns verloren. Gelobet muß es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will,
Muß vorher mit ihm leiden, groß Pein und Marter viel.

Danach mit ihm auch sterben und geistlich aufersteh'n,
Das Leben zu ererben, wie an ihm ist gescheh'n.

von Daniel Sudermann 1626 nach Johannes Tauler (um 1300-1361)

Von 990 bis 1048 lebte der Mönch Wipo von Burgund. Er gehörte zu dem Kloster Reichenau am Bodensee und war Hofkaplan und Geschichtsschreiber der deutschen Kaiser Konrad II. und Heinrich III.

Von ihm stammt das Osterlied "Christ lag in Todesbanden", welches später von Martin Luther erweitert wurde.

Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben,
der ist wieder erstanden,und hat uns bracht das Leben.
Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein
und singen
Halleluja.

Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern;
das macht alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden.
Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt,
hielt uns in seim Reich gefangen.
Halleluja.

Jesus Christus, Gottes Sohn, an unser Statt ist kommen
und hat die Sünd abgetan, damit dem Tod genommen
all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt,
den Stachel hat er verloren.
Halleluja.

Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben ’rungen;
das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen.
Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß,
ein Spott aus dem Tod ist worden.
Halleluja.

Hier ist das recht Osterlamm, davon wir sollen leben,
das ist an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gegeben.
Des Blut zeichnet unsre Tür, das hält der Glaub dem Tod für,
der Würger kann uns nicht rühren.
Halleluja.

So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne,
das uns der Herr scheinen läßt. Er ist selber die Sonne,
der durch seiner Gnaden Glanz erleucht’ unsre Herzen ganz;
der Sünden Nacht ist vergangen.
Halleluja.

Wir essen und leben wohl, zum süßen Brot geladen;
der alte Sau’rteig nicht soll sein bei dem Wort der Gnaden.
Christus will die Kost uns sein und speisen die Seel allein;
der Glaub will keins andern leben.
Halleluja.